Feuilleton
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Dorf und Welt •
Feuilleton |
| 18. April 2009, Oliver Tissot in der Bürgerhalle
16. November 2008, Theaterverein: So viel Krach in einer
Nacht:
26. Mai 2008, Das ist Satire, 15. Februar 2008, Obermichelbacher Bürgerhalle
zum Musentempel geweiht,
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Freitag,
16. April 2009
Oliver Tissot - eine Klasse für sich. |
| Worte reichen nicht
aus, um zu vermitteln wie viele Gags und Pointen dieser Mensch in die
Zeiteinheit packen kann. Das geht weit über das hinaus was man Begabung
nennt. Dieser Mann ist ein Genie!
Allein informationstheoretisch führt Tissot sein Publikum schon an
die Grenzen der Aufnahmefähigkeit. In der Daten-verarbeitung heißt
der Fachterminus „channel overflow“. Oliver Tissot bläst
seinem Publikum eine Informationsdichte in den Gehörgang, dass dieser
Eingangskanal buchstäblich überflutet wird und die Synapsen
mit dem Reinschaufeln ins Gehirn nicht nachkommen. Man wagt ja kaum zu
lachen, um bloß das nächste Wortspiel nicht zu versäumen.
Intelligente, hintersinnige Wortspiele wohlgemerkt. Hier haben wir schon
wieder ein Problem. Hinter dem was in unserem Hirn ankommt, muss unser
Assoziationsvermögen erst mal her hecheln, um rechtzeitig vor der
nächsten Granate zu checken, dass er „zu dick aufgetragen hat,
normalerweise ist er Dürer“.
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Der einzige Kritikpunk ist für mich
seine eigene Einordnung in das Fach „Comedy“. Dafür ist
dieser Künstler zu intelligent. "Comedy" ist m.E. negativ
besetzt durch das was dem TV-Wegzapper unter diesem Begriff zugemutet
werden soll. Tissot ist eine Klasse für sich. Ein „Verbaler
Feuerwerksjongleur“ scheint mir die passendste Beschreibung zu sein.
Er schiesst eine Wort-Rakete nach der anderen ab, fängt die Silben-Funken
auf und schleudert sie umgedeutet, wie einen Bumerang ins Publikum. Die
Interaktion mit Gästen, die ihm - eher weniger freiwillig -
Impulse liefern, offenbart sein höchstes Können: Im Sekundentakt
improvisiertes Bodenfeuerwerk ohne Netz und doppelten Boden.
Da wundert es nicht, dass sich ihm beim Anblick unseres Ortswappens die
Assoziation mit der absaufenden Titanic aufdrängte. Deshalb widme
ich Oliver Tissot, im Nachhinein die Erstausgabe
dieses Blattes, sowie folgendes Video.
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Sonntag,
16. November 2008
So viel Krach in einer Nacht
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| Warum nennt sich die
Bewertung eines Theaterstücks eigentlich Kritik? Das Wort an sich
klingt ja schon negativ. Bei Büchern heisst es Rezension, also "Besprechung".
Ich will die Aufführung hier "beschreiben". Das ist ein
heikles Unterfangen. Die Darsteller haben ihre Charaktere so überzeugend
gemimt, dass es beinahe als Beleidigung aufgefasst werden könnte,
wolle man zum Beispiel sagen, einem Horst Berft sei die Rolle des betrügerischen
Handelsreisenden auf den Leib geschrieben. Gleiches gilt für Elke
Lange, welche die Inkarnation der trampeligen Magd, mit Haaren auf den
Zähnen, so überzeugend dargestellt hat. Die Rückkehr der
männlichen Exponenten des Dorfes von der schlüpfrigen Sauftour
wirkte, nicht nur aufgrund der genialen Maske, verblüffend echt.
Keiner der Vanillebar-Besucher soll hier namentlich erwähnt werden,
sonst handle ich |
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mir womöglich, wegen der Verunglimpfung
von Amtspersonen und Würdenträgern, eine Klage ein. Selbiges
gilt für den verschlagenen Opa, der alle hinters Licht führte,
bis er sich mit seiner nächtlichen Frischzellenkur selbst enttarnte.
Es wäre auch ungalant zu schreiben, dass die weiblichen Protagonistinnen
sehr überzeugend auf so einen Halodri reingefallen sind.
Die Panne mit dem Ton, haben die Schauspieler so routiniert abtropfen
lassen, als gehöre sie zur Handlung. Mein persönlicher Eindruck:
Die sind so gut, dass sie gar keine Mikros brauchen. Die Sprache käme
akustisch authentischer im Publikum an.
Alles in allem eine so gelungene Aufführung, dass wir unsere mitgebrachten
Gäste davon überzeugen mussten, das alles habe mit dem wirklichen
Leben in Obermichelbach nichts zu tun.
Herzlichen Applaus! |
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Montag,
26.Mai 2008
Das ist Satire
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| Meine geneigten
Leser, welche meinen ich würde es mit der Satire mitunter übertreiben,
möchte ich höflich auf Hagen Rether |
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aufmerksam machen. Kostprobe
untenstehend. Mehr davon auf youtube.de |
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März 2008
Mensch und Unmensch in der Klinik
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Ein Mensch, auch sonst
nicht so gesund,
fährt weit zur Klinik aus dem Grund,
weil ihm sein Hausarzt hat geraten
sein krummes Bein könne begraden,
dort ein Professor Dr. Janik,
begabt als med. und in Mechanik.
Vor der OP stellt' sich heraus,
mit seinem Herzen sieht's schlecht aus.
Schnell fuhr man ihn – tatü-tata,
zur Kardio-Klinik welche nah.
Ist nicht gewiss ob ent-, ob weder,
greift man dort schnell zum Herzkatheder.
Der Mensch vor Schrecken rief: Oh graus,
lasst mich hier schleunigst wieder raus.
Ich leide auch an "Morbus Zest",
ihr gebt mir ja vielleicht den Rest.
Ich will erst meinen Facharzt fragen,
und hören was er hat zu sagen.
Der sprach: mein Freund ich rate dir,
fahr' her zu unsrer Klinik – hier.
Dort kennt der Doktor Bolle dich,
und deinen Morbus, inniglich.
Er kann - für dich - überwachen
was hier die "Kardios" mit dir machen.
Der Mensch rief an den Dr. Bolle,
erklärte, was er von ihm wolle,
was dieser auch sofort verstand
und nahm die Fäden in die Hand.
Die Kardio-Klinik rief ihn an
und sagte ihm, bald käm' sein Mann.
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Der verließ das "Kardiohaus"
und nahm ein Schriftstück mit hinaus:
Wenn er nun stürbe, ob der Hast,
trüg' er allein die Schuldenlast.
Die Heimatklinik war bereit,
denn Bolle macht' die Tore weit.
Der Menschenfreund, Herr Dr. Bolle,
erklärt Kollegen wie er wolle,
dass man den "Morbus Zest" Patienten
solle drehen und auch wenden,
schonend, sanft und ohne Panik,
und schnell zurück zu Dr. Janik.
Im Hintergrunde, wie's die Regel
spinnt ein Unmensch, so ein Flegel,
längst Intrigen und streut Sand
ins Getriebe, das begann
sich gerade rund zu drehen,
denn das sollte nicht geschehen.
Der Unmensch konnt' es nicht verknusen,
und Neid vergiftet seinen Busen,
dass Bolle, dieser Menschenfreund
Kunst und Menschlichkeit vereint,
deshalb auf der Karriereleiter,
schneller als er, wohl, käme weiter.
Doch in Realita kommt oft,
es anders als der Gute hofft.
Wer der Sache gibt die Ehre,
dass die Wissenschaft er mehre
und den Menschen liebend dient,
bleibt bei Beförderung oft hint.
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Dem Menschen ist's darob nicht bang,
er weiß der grade Weg ist lang,
und ihn zu gehen ist sehr schwer,
deshalb ist er fast menschenleer.
Unmenschen, auf verschlungnen Pfaden,
in Massen durch Kloake waten.
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Freitag, 15. Februar 2008
Obermichelbacher Bürgerhalle
zum Musentempel geweiht
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| Locker
geht der Begriff "leichte Muse" über die Lippen. Für
das ernste Fach gibt es keine direkte Entsprechung. Die "Schwere",
Opulente", was soll's. Herbert Jäger hat, mit seinem FW-Team,
zwei herausragende Künstler aus unserer Gemeinde im Bürgerhaus
präsentiert. Die Halle war gut gefüllt. Ewald Arenz ist mit
Sicherheit ein Publikumsmagnet, doch eine Trägerin des Fürther
Talentpreises hören zu können war nicht minder attraktiv.
Arenz verzauberte sein Publikum mit Stimmungsbildern und einer
Erotik, die alle Sinne, insbesondere den Geruchssinn, zum Schwingen bringt.
Ein Mann, mit einem wohltuenden Anteil weiblicher Chromosomen, zeigte
mit der Lesung aus seinem Werk "Der Duft von Schokolade", dass
das Schöne, Gute, Wahre die Menschen, Gott sei Dank, immer noch anspricht,
ja anrührt. Wohltuend in einer Zeit, in der das dominierende Massenmedium
Untergrenzen an Verflachung und Geschmacklosigkeit auslotet ohne an Grenzen
zu stoßen zu wollen. Zur Überraschung mancher VerehrerInnen
präsentierte sich Arenz gänzlich ohne Hut.
Hohe Ansprüche an die Künstler stellt das deutsche
Kunstlied. Elisabeth Anne Ritscher hat eindrucksvoll demonstriert, warum
Sie den Talentpreis 2007 der Stadt Fürth erhalten hat. Hohe Ansprüche
stellt diese Kunstform aber auch an das Publikum. Mit diesem Auftritt
wurde die Messlatte des künstlerischen Anspruchs, für die Zukunft
der Obermichelbacher Bürgerhalle, an den oberen Anschlag gesetzt.
Erleichternd wirkte die, nicht minder anspruchsvolle, italienische |
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Arie danach fast wie leichte Muse.
Im zweiten Teil brillierte Ewald Arenz mit humorigen, sich selbst übertreffenden,
Kurzgeschichten, und einer sympathischen, von elektronischer Verstärkung(-zerrung)
befreite, Stimme. Trotzdem (deshalb) konnte man, auch in der letzten Reihe
noch, jedes Wort verstehen. Ein Kompliment an die Akustik der Halle und
deren Architekt.
Den Raum mit ihrer Stimme zu fluten, verstand Elisabeth Ritscher
auch mit den Musicaldarbietungen nach der Pause. Der Ausflug in die Welt
des Musicals zeigte, dass ihr der Showtanz nicht in dem Maße in
die Wiege gelegt wurde wie der Gesang. Ihre professionelle Karriere hat
Elisabeth noch vor sich. Bleibt ihr zu wünschen dass sie die richtigen
Berater findet, die sie dorthin führen wo ihre größte
Stärke liegt, ins klassische Fach.
Am Klavier durfte das Publikum nicht nur eine sensibel adaptierte
Begleitung der Solistin erleben, Frau Ursula Bondyr aus Veitsbronn setzte
auch als Solopianistin (leider nur wenige) schillernde Tupfer in das Programm.
TV-playback-geschädigte Zeitgenossen mögen einen Mangel an Sound
"peinlich" gefunden haben, wo Begeisterung für eine ursprüngliche
Musik- und Vortragsdarbietung angebracht war, welche der Korrekturen durch
einen Tontechniker nicht bedurfte.
Was steht nun noch einem Symphoniekonzert in der Bürgerhalle
im Weg? Zum Beispiel wieder mal die Sopranistin Christine Ganslmayer,
diesmal mit den "Jungen
Fürther Streichhölzern"! |
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